Besuchertreppe

Licher machen sich ein Weihnachtsgeschenk

Finanzierung der Besuchertreppe gesichert, Licher Stadtturm ist älter als angenommen, Gesamtkonzept senkt massiv die Kosten

Lich, 21. Dezember 2009

Große Freude vor dem Fest der Freude: "Die Licher machen sich in diesem Jahr ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk", so die Turmfreunde Lich anlässlich eines Pressegesprächs. Die Finanzierung der Besuchertreppe steht und damit kann mit dem Ausbau des Licher Stadtturms begonnen werden.

Ein großer Dank an alle Spender
Dass diese frohe Botschaft kurz vor Weihnachten 2009 verkündet werden kann, daran haben, nach Meinung der Turmfreunde, ganz viele Licherinnen und Licher einen großen Anteil. Denn sie haben großzügig für den Bau einer Besuchertreppe im Stadtturm gespendet. Vor 12 Monaten, vor dem letzten Weihnachtsfest, sah das Ganze noch ganz anders aus. Denn genau vor einem Jahr wurde bekannt, dass die bis dahin vorgesehenen Mittel aus der Altstadtsanierung für den Turm nicht verwendet werden können. Der Wunsch der Turmfreunde, den Turm für die Öffentlichkeit begehbar machen zu können, war daraufhin in weite Ferne gerückt.
Seit 2006 bemüht sich die Initiative der Turmfreunde aktiv um die Begehbarmachung des Licher Stadtturms für die Öffentlichkeit . Mit Kalendern, dem Verkauf von Türmerwurst und Türmersekt und vielen privaten Spenden hatte man so rund 15.000,00 € gesammelt. Dagegen stand ein statisches Gutachten zum Zustand des Turms, welches eine Sicherungsmaßnahme empfahl, die Kosten von ca. 250.000,00 € verursachen würde. Zudem gab es bis dahin nur ein Konzept der Verwaltung zur Begehbarmachung, welches aber vom Denkmalschutz abgelehnt wurde. Die Turmfreunde entwickelten darauf hin ein alternatives Konzept, welches die Zustimmung des Denkmalschutzes fand. Doch Ende 2008 kam dann die Hieobsbotschaft aus Wiesbaden. Die von der Stadt Lich beantragten Mittel aus dem Topf der Altstadtsanierung dürfen nicht für den Stadtturm verwendet werden.
Frei nach der Devise "Der Drache steigt stets gegen den Wind" haben sich die Turmfreunde etwas Neues einfallen lassen, nämlich ihre Stufenaktion. Mit dem symbolischen Kauf einer Turmstufe, für immerhin 500,00 €, konnten Licher und Turmfreunde aus der ganzen Welt die Begehbarmachung für Besucher möglich machen. Bei der Geburt der Idee ist man von einem Zeitraum von zwei Jahren ausgegangen, bis die 130 Stufen verkauft sein würden. So war für 2012 die Eröffnung des Turmes geplant. Doch die Licher lehrten die Turmfreunde etwas anderes. Nach nur einem halben Jahr sind die Stufen verkauft! Die Initiative der Turmfreunde bedankt sich an dieser Stelle für die überwältigende Resonanz und Unterstützung die ihr hier wiederfahren ist. Sogar ein Käufer aus Canada erwarb eine Stufe.

Ebenso wichtig sind aber auch die vielen Spenden der Licherinnen und Licher, die entweder direkt auf dem Spendenkonto eingehen oder aber ihren Weg in die vielen Spendentürme in den Licher Geschäften finden. Mit dieser Aktion haben die Schülerinnen und Schüler der Erich-Kästner-Schule, die die Türme gebastelt haben einen großen Anteil am bereits erreichten Erfolg. Und darüber hinaus werden Spenden auch in Zukunft noch ganz dringend gebraucht, um das Turmprojekt weiter zu führen.
Kostenersparnis im Detail bietet dem Turm eine Zukunft
Da für die Begehbarmachung aber auch die statische Sicherheit des Turmes wichtig ist, wurde das bis dahin vorliegende statische Sicherungskonzept überprüft. In Zusammenarbeit mit der Stadt Lich, vor allem mit den dafür zuständigen Sachbearbeitern und Bürgermeister Klein, wurde Dr. Gräfe als Sachverständiger für Fachwerkprobleme in den Turm eingeladen. Schnell stellte sich heraus, dass für die statische Sicherung auch andere Wege beschritten werden können. Daraufhin konnte nun eine neue statische Lösung erarbeitet werden. Die Kosten hierfür liegen bei ca. 50.000,00 €.
Zum bevorstehenden Jahreswechsel stellt sich die Situation für die Zukunft des Turmes nun folgendermaßen dar. Die Planung für die Begehbarmachung des Turmes für Besucher steht. Diese sind bereits mit dem Denkmalschutz, der zuständigen Bauaufsicht und dem Brandschutz abgestimmt. Alle erforderlichen Genehmigungsunterlagen können nun bei den zuständigen Genehmigungsbehörden eingereicht werden. Die geplante Maßnahme kann durch die Stufenkaufaktion finanziert werden.
Die statischen Konzepte liegen ebenfalls vor und können den zuständigen Behörden zur Ge-nehmigung vorgelegt werden. Die Kosten hierfür liegen in einem, für den Eigentümer des Turmes, die Stadt Lich, überschaubaren finanziellen Rahmen und sollten kein Problem darstellen. Hiermit hat die Initiative der Turmfreunde all das erreicht, was man sich zunächst vorgenommen hat.
Ein wirklich alter Licher wird zu einem Beispiel moderner Kulturpädagogik
Mit der großen Resonanz aus der Bevölkerung kam auch die Idee, mehr als nur eine Begehbarmachung des Turmes zu ermöglichen. Vor allen durch die Aktion zum Historischen Markt, als geführte Gruppen erstmals in die ersten drei Geschosse des Turms einen Blick werfen durften, zeigte sich, welch große Anziehungskraft der historische Stadtturm hat.
Wie sich nun herausstellt, ein dentrochronologisches Gutachten bestätigt es, handelt es sich bei dem Innenleben des Turmes um den Originalzustand aus dem Jahre 1406. Die Fachwerkspitze ist ebenfalls im Originalbaubestand aus dem Jahre 1620. Der Turm erweist sich also als ein eigenes Museum. Aus dieser Erkenntnis heraus wurde in den letzten Monaten ein kulturpädagogisches Nutzungskonzept von Kay Hermann Hörster, Oberhessisches Museum Gießen, entwickelt. Dieses Konzept eröffnet nun die Möglichkeit, den Turm als überregionales wichtiges und geschichtsträchtiges Gebäude einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Kann man hier doch die komplette Geschichte der Region in unterschieldichen Stockwerken thematisieren. Von der Vor- und Frühgeschichte über den Limes, die Entwicklung des Naturraums, den Festungsbau in Lich, Wirtschaft und Sozialgeschichte, der Turm kann durch spezifische Themenführungen für touristische Besucher, aber auch für Schulen und Bildungsträger, genutzt werden.
Auch ein weiterer Traum der Turmfreunde rückt näher. Dies ist die Nutzung der Türmerwohnung. Bis dato nur als Zukunftsvision ausgesprochen, sind jetzt bereits erste Schritte zur Finanzierung dieser Idee angegangen worden. Hierzu wird zurzeit die Beantragung von möglichen Fördermitteln vorbereitet. Weiter wird die Bildung eines Firmenpools vorbereitet. Firmen aus der Region können sich hier durch den Kauf symbolischer Bausteine als Turmunterstützer einbringen. Dadurch erhalten sie die Möglichkeit, zu bestimmten Zeiten die dafür zu Verfügung stehenden Räumlichkeiten im Turm für eigene Veranstaltungen zu nutzen. Erste Gespräche hierzu sind bereits überaus erfolgreich verlaufen.

Besuchertreppe
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